2010: Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen – mit Real Time Social Media
2010: Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen – mit Real Time Social Media 05.01.2010 | Kategorie: Hauptartikel, Noch mehrAuch wenn wir es noch nicht – so wie im gleichnamigen Film – bis zum Jupiter geschafft haben, so sind wir in diesem Jahr doch nun endlich dabei, den (mobilen) Kosmos der Kommunikation auf der Erde zu erobern.
Die technischen Voraussetzungen konnten sich spätestens mit dem letzten Jahr etablieren. Jetzt fehlt nur noch eine massenhafte (und vor allem richtige) Nutzung, damit die neuen Möglichkeiten optimal für das Online-Marketing genutzt werden können.
[Foto: photocase.de, micjan, "microphone of death"]
Der Microblogging-Dienst konnte sich im letzte Jahr auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreuen. Inzwischen ist vielen Menschen klar geworden, dass es hier um mehr geht, als um die Frage “was machtst Du gerade?”. Die Möglichkeiten der Live-Berichterstattung, ohne den Umweg über die traditionelle Redaktion zu gehen, wird vor allem für 2010 eine ernstzunehmende Bedeutung erhalten. Dies liegt nicht zuletzt an der finanzierbaren Infrastruktur für eine mobile Nutzung. Natürlich kann Twitter auch von einem stationären Rechner aus genutzt werden, der Zeitvorteil wird dadurch allerdings nicht ausgespielt. Informationen – beispielsweise von einem Kongress – können ohne den mobilen Zugang ja erst nach Beendigung des Events gesammelt und publiziert werden. Zwar kann ein Laptop mit Netzwerkzugang abhilfe schaffen, einen solchen trägt man allerdings nicht zu jeder Gelegenheit mit sich herum. Der Zugang über ein Mobiltelefon bringt hier also enorme Vorteile. Da Handy-Kameras und auch GPS inwzischen zur Standardausstattung moderner Smartphones gehören, können gleich auch Informationen zum aktuellen Standort, sowie Bildmaterial vom Geschehen übermittelt werden.
USTREAM
Die private Berichterstattung ist jedoch schon längst nicht mehr auf 140 Textzeichen und ein paar Bilder beschränkt: Inzwischen sind via Mobiltelefon Video-Livestreams möglich. Erstaunlich eigentlich, dass sich Video-Plattform No.1 YouTube immer noch vor der Bereitstellung eines solchen Services drückt – die rechtlichen Aspekte scheinen hier offenbar doch einige Gefahren zu bergen. Außerdem gestaltet sich eine Monetarisierung ebenfalls nicht ganz so einfach. Trotzdem haben sich ein paar Anbieter mit der Entwicklung eines solchen Services befasst – ganz vorne dabei: USTREAM.
Mit USTREAM lässt sich kostenlos der eigene, kleine TV-Sender betreiben, wobei das Videomaterial entweder live gesendet oder aufgezeichnet werden kann. Auch beides gleichzeitig ist möglich. Als Aufnahmequelle kommt jede dem Endgerät bekannte Kamera in Frage (egal ob Webcam am PC oder die des Handies). Ein echtes mobiles Livestreaming ist momentan nur mit dem iPhone möglich. USTREAM stellt dafür notwenige Software (Apps) kostenfrei zur Verfügung.
Das Livebild kann schließlich YouTube-like in die eigene Website eingebunden werden. Außerdem steht eine Chatmöglichkeit für die Zuschauer zur Verfügung. USTREAM bietet damit die Voraussetzung für interaktives Fernsehen für Jedermann. Auf Wunsch kann übrigens die eigene Sendung über Twitter automatisch angekündigt werden.
Möglichkeiten & Gefahren
Die Echtzeitkommunikation ist damit beim “kleinen Mann” angekommen. Besonders jetzt, wo Handy-Datenflatrates bezahlbar geworden sind, werden völlig neue Ansätze möglich, die eigene Person, bzw. das eigene Produkt zu vermarkten. In Deutschland wird lediglich durch die Drosselung der Übertragungsgeschwindigkeit (greift nach einer bestimmten Datenmenge) eine Begrenzung des Kommunikationshungers geschaffen. Da ein Ausweichen auf WLAN technisch aber ebenso machbar (und meistens auch schneller) ist, könnte in nicht allzu ferner Zukunft die Bereitstellung eines kostenfreien Netz-Zuganges (bspw. für Kunden in der Gastronomie) durchaus lohnenswert sein. Die Liveübertragung einer Party in einer Bar (am besten mit vorheriger Twitter-Ankündigung) kann durchaus zu einem interessanten Marketing-Mechanismus ausgebaut werden. Für den Betreiber sollten sich entsprechende Investitionen da schnell rechnen. Denkbar ist aber auch, dass die Besucher nicht über ihr eigenes Endgerät, sondern beim Betreiber über fest installierte Systeme gehen. Mit ein wenig Kreativität ist hier einiges Vorstellbar. Wie wäre es bspw. mit einem Bonus auf die nächste Bestellung, wenn der Gast etwas Positives über die Lokalität in die Kamera sagt?
Natürlich lassen sich auch für andere Branchen interessante Anwendungsbeispiele für den Einsatz der Live-Kommunikation finden.
Auf der anderen Seite animieren diese medialen Möglichkeiten auch zwielichtige Gestalten schnell zu illegalen Dingen: Wurden bisher Straftaten mit dem Handy aufgenommen und anschließend verteilt, kann dies jetzt in Echtzeit erfolgen, was bei Einigen für den “ultimativen Kick” sorgen könnte. Urheberrechtsverletzungen gehören dabei ja sogar fast schon zu einem “kleineren” Problem (bspw. die Liveübertragung eines Boxkampes ohne Werbeunterbrechung). Bei einer massenhaften Nutzung dürften entsprechende Kontrollmechanismen also zu den wichtigsten Faktoren zählen, die ein dauerhaftes Überleben einer Livestream-Plattform sichern. Hoffen wir das dies gelingt.
Fazit
Live-Kommunikation via Twitter und USTREAM (& Co.) bieten nichtmal ansatzweise ausgeschöpfte Möglichkeiten für das Online-Marketing, denn die private Echtzeit-Übertragung kann
- unterhaltsam (selektiv, themenbezogen)
- informativ (Informationen in Echtzeit)
- authentisch (ungeschönt, da live)
sein und so sehr viele Menschen in ein geschehen einbinden und möglicherweise zu etwas motivieren/mobilisieren, wie kaum ein anderes Medium (auch wenn die Bildqualität zum jetzigen Zeitpunkt noch als nicht optimal bewertet werden kann). Man darf gespannt sein, wann und in welcher Form dies von den diversen Branchen begriffen wird und wie diese im Einzelnen reagieren werden.
Auch auf redaktioneller Seite ist Obacht geboten. Presse und Verleger sollten sich weniger Gedanken um Paid-Content-Konzepte machen, als vielmehr diese neue Entwicklung ernst zu nehmen und sich mit ihr zu solidarisieren. Bei Axel Springer (die ja auch mit Paid-Content experimentieren) fährt man bei bild.de mit dem User Generated Content (”Leserreporter“) bisher einen recht erfolgreichen Ansatz.
Auch wenn mit diesem Artikel der Schwerpunkt doch mehr auf den Möglichkeiten von USTREAM lag, so soll Twitter in keinem Fall zu einer reinen Assistenz von Real Time Social Media degradiert werden. Im Gegenteil, denn Twitter ist hier die kommunikative Basis und kann unterschiedliche Medien ideal zusammenführen. Welche Möglichkeiten sich in einem anderen Kontext für Twitter noch ergeben können, habe ich im Artikel TV-Boosting zusammengefasst.
2010: Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen – möglicherweise mit dem Leben jedes Einzelnen …
UPDATE: Android-Handies können ebenfalls einen Livestream zu USTREAM aufbauen.

