DNA-Spuren im Netz: Der Fall Maria Bögerl
DNA-Spuren im Netz: Der Fall Maria Bögerl | Kategorie: Hauptartikel, SEOOpfer und Täter hinterlassen oft gemeinsame Spuren im Netz, bevor beide aufeinander treffen. Welche das genau sein können, soll am Fall Maria Bögerl aufgezeigt werden.
Die Entführung und Ermordung der Bankiersfrau Maria Bögerl zwischen dem 12. Mai und dem 4. Juni in Heidenheim hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Und immer noch hat die Polizei keinen konkreten Hinweis auf den oder die Täter (eine Chronik der Geschehnisse findet sich hier).
[Foto: photocase.com, blaquid, Polizei]
Begibt man sich selbst auf Tätersuche, bietet das Internet ein paar aufschlussreiche Anlaufstellen, die zumindest ein paar interessante Hinweise liefern können. Doch um welche Quellen handelt es sich dabei und wie sollen ihre Daten interpretiert werden?
Im folgenden werden solche Quellen betrachtet, die der Täter selbst zur Vorbereitung genutzt haben kann, aber auch solche, die seine Aktivitäten in irgendeiner Art und Weise protokolliert haben können. Dies kann allerdings nur zutreffend sein, wenn sich Täter und Opfer nicht ausreichend kannten, sodass eine Informationsbeschaffung über das Netz erforderlich war. Möglicherweise lagen dem Täter aber auch Teilinformationen vor, die über die Suchmaschine ergänzt werden sollten.
Google Insights for Search
Zunächst wäre also zu untersuchen, ob wir über Google Insights for Search ein signifikantes Suchvolumen für einen in diesem Kontext relevanten Suchbegriff extrahieren können. Hier bieten sich vor allem Suchphrasen im Zusammenhang mit der Kreissparkasse in Heidenheim an.
Schaut man sich den Verlauf des Suchvolumens an, wird jedoch schnell das folgende Problem deutlich:
Google Insights for Search bietet nur ungenaue Daten in Bezug auf den Zeitraum. Zwischen dem 2. und 8. Mai ist ein in etwa gleiches Aufkommen der Suchanfrage nach ”Sparkasse Heidenheim” zu finden, wie in den Wochen zuvor auch. Eine mögliche Suchanfrage des Täters geht also im allgemeinen “Rauschen” unter. Es müsste sich also eine spezielle Suchphrase nachweisen lassen, die kurz vor der Tat und augenscheinlich nur vom Täter abgesetzt wurde. Und in der Tat scheint es eine solche auch zu geben:
Vor der eigentlichen Tat wurde also verstärkt nach dem Namen “Bögerl” gesucht. Dies scheint auffällig, da ein entsprechend hohes Suchaufkommen zu keinem Zeitpunkt zuvor über Google Insights for Search erfasst werden konnte.
Was lässt sich mit einer solchen Information anfangen? Zum einen scheint der Täter über Zugriff zum Internet zu verfügen (ob von zuhause oder einer öffentlichen Zugriffsmöglichkeit). Dadurch würden sich neue Ermittlungsansätze ergeben. Besonders interessant wäre folgendes: Google Insights for Search bietet die Möglichkeit des “Hineinzoomens”, sodass der geografische Ursprung der Suchanfrage zumindst auf Städteebene erkenntbar wird. Leider stehen bei einer solchen Filterung nicht genügend Daten zur Verfügung, sodass keine adäquaten Ergebnisse mehr angezeigt werden können.
Die Abbildung weist zwar auf ein vermehrtes Suchvolumen aus den Städten “Ulm” und ”Stuttgart” hin, jedoch lässt sich hier auch keine auf den Tag genaue zeitliche Eingrenzung vornehmen, sodass auch solche Suchanfragen berücksichtigt werden, die – informiert über die Presse – von anderen Personen stammen.
Google-Suche
Betrachten wir uns einmal die Suchergebnisse, die der Täter mit einer Suche nach “Bögerl” aufgerufen haben kann. Dazu müssen über Google alle Pressemeldungen, die nach dem 11. Mai erstellt wurden, ausgefiltert werden. Das geht einigermaßen gut über die Zusatzoptionen in der linken Leiste:
Sollte der Täter über die Website der Kreissparkasse Heidenheim den Namen des Vorstandes ermittelt haben, erhält er über die Personensuchmaschine 123people.de ganz einfach die Privatadresse. Ein im Vorfeld erhöhtes Suchvolumen der immer gleichen Suchanfrage könnte übrigens auf eine navigationsorientierte Suche hindeuten. Der Suchende hat also immer wieder die gleiche Suchphrase abgesetzt, um wiederholt auf die gleiche Website zuzugreifen (was, wie hier unterstellt, die Personensuchmaschine sein könnte).
YouTube
Aber die “Möglichkeiten” zur Informationsbeschaffung reichen noch weiter: Eine weitere Option für eine intensive Vorbereitung auf anderer Ebene bot sich im konkreten Fall auch über YouTube, wo der Ehemann von Maria Bögerl, Thomas Bögerl, wenige Tage vor der Entführung noch ein Interview für die Opernwerkstatt gab, die eine Einschätzung zur Person für die geplante Tat erleichtern konnten.
und was noch?
Betrachtet man sich über Google Maps die Orte, die in das Verbrechen eingebunden waren, stellt sich die Frage, ob das Fahrzeug, mit dem Maria Bögerl entführt wurde, nicht über eine Webcam oder eine öffentliche Kamera
erfasst wurde. Für den Ort der Geldübergabe, sowie den Leichenfundort kann eine solche Erfassung ausgeschlossen werden, betrachtet man sich aber den Ort des Wohnhauses, sowie den Fundort des Wagens von Maria Bögerl, sowie den der Leiche, muss der Täter ja mehr oder weniger bekannte und gut genutzte Verkehrsverbindungen genutzt haben. Leider scheint es keine Kamera in diesen relevanten Bereichen zu geben, die Hinweise auf den Täter liefern könnten.
Fazit
Das Internet, insbesondere die Möglichkeiten von Google, können leider oft eine enorme Vereinfachung zur Vorbereitung von Verbrechen bieten. Allerdings ergeben sich auch hier neue Möglichkeiten zur Identifizierung der Täter. Eine polizeiliche Ermittlung sollte in solchen Fällen deshalb auch immer auf das Internet erweitert werden. Im konkreten Fall könnte das bspw. heißen, die Logfiles von 123people.de auszuwerten. In diesem Kontext kann auch Google Insights for Search wertvolle Dienste leisten. Leider stellt die dünne Datenbasis gerade für weniger häufig abgesetzte Suchanfragen ein Nachweisproblem dar. Vereinzelt gelingt es aber doch, so vernünftige Hinweise zu erhalten.
Nicht nur der Mensch, sondern auch seine Verbrechen werden zunehmend gläsern …
Hinweis:
Für weitere Informationen findet sich hier eine vollständige Artikelreihe zu Google Insights for Search.




sehr interessanter Ansatz! Speziell die Sache mit den Google-Anfragen…