Google Instant: Bedeutung für die SEO
Google Instant: Bedeutung für die SEO | Kategorie: Hauptartikel, SEOIm ständigen Bemühen eines optimalen Suchinterface hat Google mit Google Instant einen großen Schritt gewagt, der auch Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung haben wird.
Mit Google Instant setzt der Suchmaschinenprimus aus Mountain View auf einen durchaus revolutionären User-Experience-Ansatz: Der Suchende erhält bereits während der Formulierung der Suchanfrage mögliche Suchergebnisse angezeigt. Dabei wird nicht nach unfertigen, unsinnigen Wörtern gesucht, sondern durchaus nach “fertiggedachten”, sinnvollen Suchanfragen. Die folgende Abbildung zeigt den Vergleich der Funktion in Deutsch und Englisch (fehlt in der deutschen Version der Willkommenshinweis?):
Diese neue Architektur fordert die technischen Ressourcen des Suchmaschinenanbieters heraus, denn schließlich werden mit dem neuen Ansatz deutlich mehr Suchanfragen produziert. Man kann allerdings davon ausgehen: Sollte sich Google nicht von den deutlichen Vorzügen vorab überzeugt haben (auch via Google Suggest), würde ein derart aufwendiges Unterfangen mit Sicherheit nicht Live gehen. Die Investitionen scheinen sich also zu lohnen und einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Und in der Tat kann man sich nach kurzer Anwendung recht gut vorstellen, was Google Instant bewirken kann.
Joy of Use
Die Bedienung geht nicht nur leicht von der Hand, sondern macht sogar Spaß. Insbesondere die Rechner-Funktion der Google-Suche kann mit Google Instant punkten. Wer einmal auf diese Weise Rechenaufgaben gelöst hat, möchte nicht mehr zu einem Taschenrechner wechseln, wenn Google das Ergebnis ohne Betätigen der Entertaste berechnet.
Faktor: Zeit
Zeit ist immer ein sehr wichtiger Faktor. Selbst Verzögerungen im Millisekundenbereich können sich deutlich auf die Nutzung einer Webapplikation auswirken. Google spart dem Nutzer mit Instant nach eigenen Angaben gleich 2 bis 5 Sekunden je Suchvorgang.
Veränderte SERP-Navigation
Google Instant rückt die eigentliche Formulierung der Suchanfrage weiter in den Mittelpunkt des Geschehens. Diese kann jetzt zusammenhängend und “in einem Stück” abgesetzt werden, obwohl es sich eigentlich um mehrere, früher hintereinander durchgeführte Anfragen handelt. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Schnelligkeit, sondern könnte auch bedeuten, dass die Suchergebnisse anders wahrgenommen werden. Es wäre bspw. denkbar, dass die Scrollbereitschaft, aber auch die Motivation zum “Blättern” auf die nächste Ergebnisseite weiter einbrechen, wenn brauchbare Ergebnisse schneller über das Sucheingabefeld abgerufen werden können. Auf der anderen Seite könnte es jedoch auch dazu motivieren, konkretere Suchanfragen zu bilden und damit weiter in den Long Tail einzudringen.
Eine solche Veränderung in der Navigation von Suchergebnissen kann für die Strategie einer Suchmaschinenoptimierung also folgendes bedeuten:
- Die ersten Plätze werden noch wichtiger
- Der Long Tail wird wichtiger
Stopover
Es gibt allerdings einen noch sehr wichtigen Aspekt aus der Konsumpsychologie, dessen Effekt momentan wohl noch nicht in vollem Umfang abgeschätzt werden kann:
Nehmen wir an, der Nutzer möchte sich über einen “Handyvertrag” erkundigen – und beginnt diesen Begriff im Eingabefeld zu formulieren. Er beginnt zu tippen:
- “h…” : Ergebnisse zu “H & M” werden angezeigt
- “ha…”: Ergebnisse zu “Hamburg” werden angezeigt
- “han…”: Ergebnisse zu “Hannover” werden angezeigt
- “hand…”: Ergebnisse zu “Handy” werden angezeigt
- “handy…”: Keine Änderung der Ergebnisse
- “handyv…”: Ergebnisse zu “Handyvergleich” werden angezeigt
- “handyve…”: Keine Änderung der Ergebnisse
- “handyver…”: Keine Änderung der Ergebnisse
- “handyvert…”: Ergebnisse zu “Handyvertrag” werden angezeigt
Wir die Suchanfrage schnell eingetippt, werden diese Stopovers wohl kaum wahrgenommen, bzw. nicht angezeigt. Insbesondere aber bei der Formulierung einer Suchanfrage, die während der Eingabe überdacht, bzw. aus mehreren Einzelwörtern besteht, kommt es zu solchen Zwischenstopps – und so soll es ja auch sein. Für die Suchmaschinenoptimierung kann dies bedeuten, dass selbst bei Mehrwort-Suchanfragen generische Begriffe (aber auch assoziierte Begrifflichkeiten) eine neue Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Übertragen auf das obige Beispiel heißt das:
Ein Handyvertrag-Anbieter hat einen Vorteil, wenn er auch in den – wenn auch nur kurzzeitig angezeigten – Suchergebnissen zu “Handy” und “Handyvergleich” weit oben erscheint. Begriffe, die in einem völlig anderen Kontext stehen (”Hannover”, H & M”) können leicht ausgefiltert werden.
Nicht alles ist instant
Sobald Google Instant Operatoren in der Eingabe erkennt, werden diese nicht unmittelbar beantwortet. Google wartet in einem solchen Fall doch noch auf ein Enter.
Fazit
Google Instant ist mehr als nur eine sehr interessante Interface-Neuerung. Sie bietet dem Suchenden eine deutliche Zeitersparnis und könnte außerdem neue Ansätze und Chancen für SEO-Konzepte bieten. Hier müssen allerdings künftige Analysen und Messungen noch zeigen, in wieweit sich die hier getroffenen Annahmen bestätigen lassen. Betrachtet man den Einfluss von Google Suggest, liegt die Vermutung nahe, dass der neue Ansatz noch deutlich stärker auf die Nutzung einwirken wird.
Update: Eine erste, sehr interessante Eyetracking-Untersuchung von Web Arts bestätigt die Fokussierung auf das Eingabefeld.
P.S.: Wünsche mir Google Instant auch für Bilder- und Produktsuche …


