Der Paid-Content-Versuch: Strategischer Selbstmord?
Der Paid-Content-Versuch: Strategischer Selbstmord? 21.12.2009 | Kategorie: Hauptartikel, Noch mehrRedaktionelle Inhalte haben ohne Zweifel ihren Wert. Die ersten Paid-Content-Versuche zeigen jedoch, was man in keinem Fall machen sollte.
Die Frage nach der korrekten Vorgehensweise bei der Monetarisierung redaktioneller Inhalte drängt sich in jedem Fall auf, wenn man sich die neue Paid-Content-Strategie der Berliner Morgenpost betrachtet. Diese bietet nun spezielle Artikelsparten – in der Navigtation mit einem Euro-Zeichen markiert – nur für Abo-Leser an. Sehr interessant hat sich auch Stefan Niggemeier zu diesem Thema geäußert.
User-Agent-Cloaking ?
Als kostenfreies Entscheidungskriterium, ob ein Artikel persönlich relevant ist, kann lediglich der Artikel-Teaser bezogen werden … normalerweise.
Es gibt dennoch eine einfache Möglichkeit, den vollständigen Artikel zu lesen. Schließlich wollte man den Suchmaschinen nicht den Zugang zum vollständigen Text verwehren. Das Risiko schien hier offenbar zu groß, unvorhersehbare wirtschaftliche Nebenwirkungen hervorzubringen.
Tarnt sich der menschliche Leser also als Suchmaschine, kann er den vollständigen Text lesen. In der folgenden Abbildung lässt sich dies mit dem Programm Suchmaschinenbrille nachvollziehen. Das Programm erlaubt die Änderung des User Agents, der einen Artikel als Googlebot aufruft:
Auf der linken Seite lassen sich (als Googlebot) die Textbestandteile erkennen, die man als nichtzahlender Nutzer nicht zu sehen bekommt (rechte Seite).
Hier stellt sich ganz klar die Frage: Handelt es sich hierbei um Cloaking? Schließlich erhält die Suchmaschine andere Inhalte, als der menschliche Nutzer.
Referrer als Schlüssel zum Content
Es gibt aber einen noch einfacheren Weg, an einen vollständigen Artikel zu kommen: Offenbar werden Artikel auch dann vollständig ausgegeben, wenn ein Nutzer über die Suchmaschine kommt.
Hier ein Beispiel: Sucht man bei Google nach der Artikelüberschrift, lässt sich der relevante Artikel schnell aufspüren – schließlich sorgt das “Cloaking” für eine gute Platzierung ;-) :
Klickt man auf den Eintrag, erscheint der vollständige Artikel:
Wird “Google” also als Referrer angegeben, wird der Paid-Content-Mechanismus einfach ausgehebelt. Das lässt sich übrigens auch wieder mit der Suchmaschinenbrille realisieren (sicher aber auch über Browser-Plugins):
Fazit
Wenn sich die Verantwortlichen mit der neuen Paid-Content-Strategie da nicht die eigene Grube gegraben haben: Rein technisch gesehen handelt es sich hier um Cloaking. Google hat in diesem Fall die Fäden in der Hand und könnte durchaus Druck ausüben – was in Anbetracht der aktuellen Streitigkeiten zwischen Verlegern und Google zu einer interessanten Situation führen könnte. Ganz objektiv betrachtet stellt sich aber in der Tat die Frage, warum Google die Berliner Morgenpost anders behandelt sollte, als alle anderen Webpräsenzen.
Darüber hinaus sollte man sich bei der Berliner Morgenpost allerdings die Frage stellen, ob sich ein solches Vorgehen überhaupt lohnt. Schließlich können die Inhalte vom geneigten Leser mit ein paar wenigen Handgriffen doch sichtbar gemacht werden. Meine Empfehlung wäre: Entweder ganz oder gar nicht. Oder sind die Verleger doch schon so sehr von Google abhängig, dass es ohne diesen Traffic nicht mehr geht? Vielleicht sollte man doch eher auf die Entwicklung neuer Konzepte setzen, die nicht der Old Economy entstammen …
P.S.: Nicht nur die Berliner Morgenpost, sondern auch das Hamburger Abendblatt verfährt so …
UPDATE: Die Cloaking-Frage lässt sich in Bezug auf die Google-Richtlinien über das First Click Free-Modell beantworten. Trotzdem hinterlässt die aktuelle Vorgehensweise doch mehr als einen sehr merkwürdigen Beigeschmack. Zwar sind die Verleger durch die Guidelines an eine solche Implementierung gebunden, aus wirtschaftlicher Sicht scheint diese (vor allem die konkrete Umsetzung) aber doch eher problematisch. Imagefördernd scheint es in keinem Falle.







[...] lesen: Der Paid-Content-Versuch: Strategischer Selbstmord? var szu=encodeURIComponent(location.href); var [...]
Du meinst sicherlich “Cloaking”! :-)
Was für ein blöder Fehler :-) Danke für den Hinweis. Hab ich mal direkt korrigiert.
Bevor zum Rundumschlag ausgeholt wird sollte man sich auf alle Faelle Googles “First Click Free” Prinzip zur Gemuete fuehren (http://googlewebmastercentral.blogspot.com/2008/10/first-click-free-for-web-search.html). Einen Verweis darauf fehlt naemlich eindeutig im Artikel. Dass alle die ueber Google auf die Seite gelangen, das selbe sehen wie Google ist naemlich kein Cloaking sondern Teil der Google Guidelines.
Deine Frage ob das ganze “Cloaking” ist laesst sich also einfach mit “Nein” beantworten. Allerdings ist das ganze von Morgenpost und Abendblatt wirklich schlecht implementiert, da nur auf den User Agent geschaut wird und nicht die IP Ranges des Googlebots in Erwaehnung gezogen wird. Vgl. “You need to configure your website to serve the full text of each document when the request is identified as coming from Googlebot via the user-agent and IP-address”
Zusammenfassend und in einfachem Deutsch kann man also sagen: Bei Paid-Content ist es ok googlebot eine andere Seite zu zeigen als dem 08/15 User sofern dieser nicht via Google SERP auf die Seite gelangt.
Danke für den Input (siehe Update).
Das ist Cool.