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Zukunftsträume: Google Insights for Search – Teil 7

Zukunftsträume: Google Insights for Search – Teil 7 25.11.2009 | Kategorie: Hauptartikel, SEO, Serie: Google Insights

Nein, das ist kein Aufsatz für Bausparer. Es geht viel mehr um die Frage, ob sich mit Google nachweisen lässt, ob Träume, die angeblich die Zukunft zeigen, wirklich existieren.

warnungEs gibt Menschen, die behaupten, manchmal von zukünftigen Ereignissen zu träumen. Interessant wäre doch nun einmal der Frage nachzugehen, ob diese Menschen ihre Visionen frühzeitig über das Internet verifizieren möchten. Solche Suchanfragen, sofern sie die kritische Masse erreichen, müssten dann ja auch über Google Insights for Search nachvollziehbar sein. Vielleicht träumen ja auch mehr Menschen von der Zuklunft, als allgemein gedacht? Huu, das klingt nach einer Menge Mystery …

Aber mal von vorn: Nach was würden solche Menschen suchen? Die Geschehnisse in einem Traum, den man als “Vision” einstuft, werden wohl über eine informationsorientierte Suchanfrage mit doch eher allgemeinem Charakter geprüft. Schließlich möchte man wissen, ob sich das Geträumte bereits ereignet hat, bzw. was es bedeuten soll. Solche allgemeinen Anfragen dürften in den meisten Fällen allerdings in der Masse untergehen und kaum über eine Segmentierung filterbar sein. Nur bei sehr speziellen Suchanfragen zu einem Zeitpunkt, zu dem kein anderer auf die Idee käme, nach assoziierten Begriffen zu suchen, lassen “Vorahnungen” erkennen. Diese Aussage könnte zugleich auch die Beobachtungen der Vorbereitungen von Terroranschlägen relativieren. Handelt es sich also gar nicht um Suchanfragen, die von Attentätern abgesetzt wurden, sondern von Menschen, die von einem Anschlag geträumt haben?

Schwierige Sache also. Es gibt aber durchaus noch konkretere Suchanfragen, die aus der Masse herausstechen und sich wesentlich leichter verifizieren lassen. Der Qualifyer “Traum” (Kontext: Traumdeutung) kann hier weiterhelfen.

Flugzeugkatastrophe

Unglücke in der Luftfahrt fordern in den meisten Fällen viele Menschenleben und sind für sehr viele Hinterbliebene, aber auch für “Zuschauer” eine emotional stark bewegende Angelegenheit. Es scheint sehr viele Menschen zu geben, die sich mit dieser Thematik in ihren Träumen beschäftigen:

planecrash

Interessant ist: Gleicht man die Peaks mit der Liste der Katastrophen in der Luftfahrt ab, so gewinnt man den Eindruck, dass es vor einem Unglück tatsächlich eine verstärkte Auseinandersetzung mit diesem Thema gab.

Als konkretes Beispiel soll der Flug AF 447 der Air France dienen, der am Morgen des 1. Juni 2009 auf dem Weg von Rio nach Paris ins Meer gestürzt ist. Betrachtet man sich das Suchvolumen zu “Flugzeug Absturz”, fällt auf, dass bereits in der Zeitspanne vom 24. – 30. Mai verstärkt hiernach gesucht wurde:

deutschland_flugzeugabsturz

Untersucht man die Situation über die Suchanfrage “Flugzeug Traum”, ist zu erkennen, dass es einen Monat vor dem Absturz zu einer messbaren Nachfrage kam:

flugzeug_traum

Die von Google Insights for Search bereitgestellte Datenbasis lässt leider kaum konkretere Ergebnisse zu. Sammeln wir also weitere Indizien …

Michael Jackson

Zum Tod von Michael Jackson wurden ja schon sehr viele Verschwörungstheorien entwickelt. Hier soll mit Sicherheit kein Nährboden für weitere Geschichten entstehen. Vielmehr ist hier ein nüchterner Blick auf das Suchanfragevolumen von “dream michael jackson” angesagt:

mj_dream

Zur besseren Validierung sollte man erwähnen, dass es ein Buch von Michael Jackson mit dem Titel “Dancing the Dream” gibt. Im zeitlichen Kontext scheint dies aber an dieser Stelle kaum als Impulsgeber in Frage zu kommen. Stellt sich also die Frage, wie das erhöhte Suchvolumen vor dem eigentlichen Tod von Jackson zu Stande kam?

Bombenanschläge

Auch vor Terroranschlägen scheinen sich einige Menschen verstärkt mit eben dieser Thematik auseinander zu setzen. Über die Suchanfrage lässt sich wieder rückschließen, dass Impulsgeber der Traum war. In der folgenden Abbildung lässt sich das recht gut am Beispiel der Londoner Terroranschläge vom 7. Juli 2005 erkennen:

dob_en

Naja, hoffen wir mal, dass die folgenden Suchanfrage nicht zur Realität findet:

nuclear_bomb

Vorsicht Fehldeutung!

Bei der Interpretation der Daten muss man natürlich immer sehr sorgfältig und kritisch vorgehen. So lässt bspw. die folgende Abbildung vermuten, viele Menschen hätten den Tsunami im Dezember 2004 schon Monate vorher kommen sehen:

tsunami

Hier ist allerdings Segmentieren angesagt, denn es gibt vom Hardware-Hersteller Tsunami ein Produkt mit dem Namen “Dream”, welches genau in diesem Zeitraum beworben wurde. Es sollten also immer auch die Suchergebnisse zur entsprechenden Suchanfrage untersucht werden, damit solche Gegebenheiten auffallen.

Fazit

Man könnte hier noch sehr viele Beispiele aufführen, die die Existenz von Zukunftsträumen untermauern würden. Allerdings sind für tiefergehende Untersuchungen auch detaillierte Daten notwendig. Und diese werden von Google leider in dieser Form nicht bereit gestellt. Ein höheres Auflösungsvermögen und eine verbesserte quantitative Berücksichtigung wären hier sehr wichtig, um bspw. auch mögliche kulturelle, geografische und sprachliche Zusammenhänge herauszuarbeiten. Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang auch immer die Frage, ob Google den Datenbestand nicht auch zeitlich ungenau interpoliert. Andere Analysen konnte allerdings immer wieder zeigen, wie korrekt das System im zeitlichen Bezug arbeitet.

Vielleicht lässt sich ja über Google irgendwann auf eine dichtere Datenbasis zugreifen. Solange bleibt es aber leider nur bei Indizien – nicht nur bei der Fragestellung in diesem Artikel …

[Foto: ig3l, photocase.de]

Teile dieser Serie

Teil 1: Aufgebohrt (Einführung)
Teil 2: Abgefahren (Verkehrsbewegungen)
Teil 3: Abhängig (Abhängigkeiten von Suchvolumina)
Teil 4: Werbepause (Wirkung von TV-Werbespots)
Teil 5: TV-Boosting (Effekt von TV-Sendungen)
Teil 6: Crime Scene Investigation (Analyse von Terroranschlägen)
Special: Stromberg in Finsdorf
Teil 7: Zukunftsträume (Visionen in der Beweisführung)

buchcoverWeitere Informationen zu Google Insights for Search gibt es auch in meinem Buch:

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